Zahlungsausfälle durch insolvente Kunden - wirtschaftlich unangenehm, aber vermeidbar

Zahlungsausfälle von Kunden können die eigene Existenz schwer belasten und existenziell gefährden. Die Creditreform erhebt jährlich ihren Zahlungsindikator für Deutschland und hat trotz der wirtschaftlich starken letzten Jahre erneut mahnende Worte ausgesprochen.

 

Die Zahlungsmoral in Deutschland habe sich erneut verschlechtert. Unternehmen erhalten ihre Rechnungen durchschnittlich nach 42 Tagen bezahlt, bei einem durchschnittlichen Zahlungsziel von 32 Tagen. Die durchschnittliche Zahlungsverzögerung beträgt 10 Tage.

 

Im Baugewerbe, dem Metallbau und im Elektrobereich liegt die Zahlungsverzögerung bei über 15 Tagen. Während sie noch auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten, laufen alle ihre betriebsbedingten Kosten und Auszahlungen (Miete, Personal, Versicherungen, Fixkosten usw.) weiter.

 

Die Konsequenzen, welche sie aus der Nichtzahlung ihres Kunden erleiden, sind vielfältig. Durch hohe Außenstände wird zum einen ihre Liquidität unnötig belastet, was zu einer unnötigen Inanspruchnahme der Kontokorrentlinie und zu massiven Zinsbelastungen führt.

Im Ernstfall wäre ihre Zahlungsfähigkeit gefährdet und sie müssten Insolvenzantrag stellen.

Beispiel: Zinsbelastung durch lange Zahlungsziele

Schafft es das Unternehmen das Zahlungsziel um 15 Tage zu reduzieren - durch Verbesserung der Rechnungsprozesse und durch Einführung eines stringenten Forderungsmanagements - lassen sich hier Kosten in Höhe von 6.300 € einsparen.

Forderungsausfälle können Domino-Effekt auslösen

Als letztes Risiko, steigt bei deutlicher oder permanenter Zahlungsverzögerung das Risiko eines Zahlungsausfalls. 75% aller Unternehmensinsolvenzen sind auf Forderungsausfälle zurückzuführen, 67% auf die schlechte Zahlungsmoral der Kunden.

 

Bildlich gesprochen, gewähren sie ihrem Kunden einen Kredit ohne Sicherheiten, bei gleichzeitiger Gefährdung ihres Unternehmens und möglicherweise weiterer Unternehmen, wenn Sie in Schieflage geraten. 2019 lag die durchschnittliche Ausfallquote bei 3% pro Betrieb und verursachte einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 21 Milliarden €.

 

Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wie aktuell, ist es umso wichtiger, sich mit diesem Thema zu befassen, um nicht selbst gefährdet zu werden. Doch welche Auswirkungen hat ein Zahlungsausfall auf ihren Betrieb? Und wie können sie sich davor schützen? 

Anhand dieses Beispiels, wie es in der Praxis häufig vorkommt, lassen sich zwei drastische Auswirkungen eines Forderungsausfalls auf das Unternehmen deutlich aufzeigen.

Benötigter Mehrumsatz

Der Forderungsausfall von 15.000 € scheint auf den ersten Blick für den rentablen Betrieb als verschmerzbar. Bei genauerer Analyse ergeben sich aber die versteckten Problemstellungen.

 

Um den Forderungsausfall im laufenden Geschäftsjahr kompensieren zu können, benötigt es einen deutlichen Mehrumsatz.

 

Umsatzsteigerung = Forderungsausfall / Umsatzrendite x 100

 

Umsatzsteigerung = 15.000 € / 4% *100 = 375.000 € 

 

Um 15.000 € Forderungsausfall zu kompensieren, müssten sie 375.000 € Mehrumsatz erwirtschaften. Das entspricht einem Jahresumsatz von 2 - 3 zusätzlichen produktiven Mitarbeitern für ihren Betrieb je nach Branche.

 

Wie sie erkennen, hat jeder noch so kleine Forderungsausfall erhebliche Auswirkungen auf ihren Betrieb.

Gewinnminimierung mit Folgen

Wie sie im aufgeführten Beispiel erkennen können, haben Forderungsausfälle deutliche Auswirkungen auf die Gewinnsituation und die Gewinnverwendung.

 

Im aufgeführten Beispiel reduziert der Forderungsausfall den Gewinn um 10.000 €. Im Zuge der Gewinnverwendung unter Berücksichtigung des Forderungsausfalls können nach erbrachten Tilgungen und geplanten Investitionen keine Rücklagen gebildet werden.

 

Alternativ könnten Rücklagen gebildet werden, dafür können aber die Investitionen nicht aus Eigenmitteln bezahlt werden und müssten verschoben werden oder müssten über einen Kredit finanziert werden, was die Abhängigkeit von der Hausbank steigert.

 

Damit sie solche jährlichen Szenarien vermeiden und Forderungsausfälle minimieren, gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, welche sie umsetzen können.

Maßnahmen

• Sorgen Sie für eine Streuung des Umsatzes und reduzieren Sie Abhängigkeiten (max. 10% des Umsatzes mit einem Kunden)

 

• Die Ausfallquote muss fester Bestandteil Ihrer Kalkulation sein (Stunden-/Maschinensatz)

 

• Sichern Sie Ihre potentiellen Aufträge gegen Ausfälle (durch Bürgschaften, Bonitätsabfragen, Eigentumsvorbehalte uvm.)

 

• Optimieren Sie Ihre Rechnungsprozesse und straffen Sie Ihr Forderungsmanagement (feste Anzahlungs- und Abschlagsmodalitäten, strikte Vertragsgestaltung, eliminieren sie säumige Kunden

 

• Achten Sie auf Veränderungen in der Kundenbeziehung (Ausweitung der Zahlungszeiträume durch den Kunden, gehen Lastschriften zurück, wird um Stundung gebeten uvm.) 

Alle diese Maßnahmen bieten einen guten Schutz um Ausfälle zu vermeiden. Einen 100% Schutz, gibt es aber nicht.

 

Was können Sie machen, wenn Ihr Geschäftspartner wirklich in die Insolvenz rutscht und Ihre Zahlung ausfällt?

 

Dann heißt es schnell handeln und sich juristischen Beistand zu holen, um mögliche Sicherungsinstrumente geltend zu machen und zu verwerten.

 

Des Weiteren gilt bei laufenden Projekten, dass der Vertrag nicht automatisch mit der Insolvenzeröffnung beendet ist. Erst einmal gilt der Vertrag weiter und der Auftragnehmer muss damit rechnen, zur Leistung aufgefordert zu werden und vielleicht bei einer Arbeitsunterbrechung auf Schadensersatz oder gar auf Vertragsstrafe verklagt zu werden und zu haften.

 

Um das zu vermeiden, sollten Sie sich unverzüglich an den Insolvenzverwalter wenden und über eine Fortführung oder Beendigung des Projektes verhandeln. Führt der Insolvenzverwalter das Projekt weiter, wird er neuer Auftraggeber für sie. Äußert sich der Insolvenzverwalter nicht, kommt dies einer Ablehnung gleich und Sie sind vom Vertrag befreit.

 

Bei Beendigung des Projektes durch den Insolvenzverwalter können sämtliche projektbezogene Baustoffe und Maschinen abgezogen werden.

 

Aber!

 

Eingebaute und bezahlte Baustoffe gehören dem insolventen Auftraggeber und ein entfernen ist Diebstahl. Handwerksbetriebe sollten aber auf eine Aufmaßerstellung bestehen, um ihre Leistungen prüffähig nachzuweisen, um einen möglichen Komplettausfall zu vermeiden.

 

Sind keine Sicherheiten zu verwerten und können Sie auch keine prüffähigen Nachweise erbringen, bleibt letztlich nur die Möglichkeit, die Forderung beim Insolvenzverwalter anzumelden. Auch hier gilt es gesetzliche Fristen für die Forderungsanmeldung einzuhalten.

 

Um eventuelle Anfechtungsrisiken durch den Insolvenzverwalter zu vermeiden, sollten Sie Ihre erhaltenen Rechnungen der mindestens letzten drei Monate vor Antragstellung Ihres insolventen Kunden durch einen Juristen prüfen lassen, um nicht weitere Rechnungen an den Insolvenzverwalter zurückbezahlen zu müssen. Handeln Sie also pro aktiv. Vermeiden Sie Forderungsausfälle und senken somit Ihre Kosten und sichern Sie Ihre Liquidität!